War's das jetzt? 🥺
Da macht man drei Wochen Pause und zack – steht die Podcastwelt Kopf!
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Da macht man einmal drei Wochen Pause und zack – steht die Podcastwelt Kopf!
Vergangene Woche meldet Bloomberg: Amazon macht Wondery dicht.
Erst 2020 hatte Amazon das Podcast-Netzwerk für schätzungsweise $300 Millionen gekauft. Bekannt wurde Wondery durch Produktionen wie »Dr. Death«, »Dirty John« oder »The Shrink Next Door«, die damals gezeigt haben: Die Leute lieben Storytelling-Podcasts! Wondery hat das Genre geprägt und vorangetrieben.
Nach der Übernahme von Amazon kamen immer mehr Laber- und Interview-Podcasts ins Portfolio, die von der bereits bestehenden Reichweite ihrer Hosts angetrieben wurden: »Armchair Expert« mit Dax Shepard, »New Heights« mit Jason und Travis Kelce (Taylor Swift ist übrigens in der Folge morgen zu Gast!), »Baby, This is Keke Palmer« oder »Feelings« mit Kurt Krömer in Deutschland.
Genau diese beiden Lager werden nun wieder getrennt. Die noch bestehenden Storytelling-Podcasts wandern zu Audible, die Promi-Podcasts werden von einem neuen »Creator Services Team« bei Amazon betreut.
Über 100 Leute, die bei Wondery gearbeitet haben, verlieren ihren Job.
Es sei eine strategische Entscheidung gewesen, sagt Amazons Audio-Chef Steve Boom gegenüber Variety.
We’ve learned over time that the business models for these two different types of content are actually quite different. On the one hand, the video-creator podcasts are monetizing incredibly well through advertising. It’s a very, very strong advertising business. In contrast, with the narrative podcasts, we’ve come to the conclusion that those are best monetized through a premium business model.
John Wordock, Podcaster seit 2006 und ehemaliger Exec bei Cumulus und WSJ, schreibt:
The Amazon news this week - that it’s dissolving the Wondery name and dividing its audio business into two parts - reflects in many ways where podcasting is today.
In one camp - the audio storytellers.
In another camp - the video-driven creators.
Sounds like the podcast industry right now, doesn’t it?
Ja. Die Branche fühlt sich im Moment nach zwei Lagern an:
Die Audio-Liebhaber*innen, die mit ihren Podcasts (aufwendige) Geschichten erzählen wollen.
Und die, die die Zukunft in Video sehen – vor allem mit Laber- und Interview-Podcasts, die günstiger zu produzieren sind und durch Reichweite von Promis und auf Social Media gepusht werden können.
John Wordock nennt den Fall Wondery »A Coming of Age Moment for Podcasting«. Unsere Branche wird erwachsen.
Im Grunde ist es wie im echten Leben. In der Kindheit und Jugend sehen unsere Leben ähnlich aus: Kindergarten, Schule, Ausbildung … Und dann bricht diese Zeit an, in der man sich lost fühlt, weil alle um einen herum woanders hinwollen: Familie, Reisen, Karriere, Selbstverwirklichung … Nichts davon ist die falsche Richtung. Es sind nur unterschiedliche Lebensentwürfe.
Vielleicht müssen wir einfach akzeptieren, dass nicht alle Podcaster*innen denselben Weg einschlagen.
Trotzdem hat das Wondery-Aus natürlich einen bitteren Beigeschmack. Ashley Carman nennt es sogar »das Ende der ›Serial‹-Ära«. »Serial«, der True Crime-Podcast, der 2014 erstmals ein Massenpublikum erreichte und Podcasts ins Mainstream-Bewusstsein brachte.
Aber der Audio-Journalismus sei nicht verloren, schreibt sie. Werbung scheine einfach nicht die effektivste Methode zu sein, Storytelling-Podcasts zu finanzieren – sondern Bezahl-Abos. Und Audible hat den großen Vorteil das Abo durch Hörbücher noch attraktiver zu machen. (In Deutschland sehen wir das ja auch mit erfolgreichen Abo-Modellen wie dem der Süddeutschen Zeitung oder der ZEIT in Verbindung mit den anderen Digital-Angeboten.)
Weiter schreibt Ashley Carman:
The Wondery news, taken with Spotify’s past layoffs and the closure of other studios, illustrates that audio journalism on its own isn’t a big enough business line for tech giants generating billions of dollars a year. But it doesn’t mean that all the people who like audio programming have fled to YouTube.
[…]
Clearly, we’re in a new era of podcasting, and it’s time to adapt. Can those who remain in audio journalism harness the best parts of the Serial era while incorporating new learnings from this current video moment?
We’re about to find out, fast.
Audio-Journalismus ist nicht dazu gemacht, viel Geld damit zu verdienen. Das macht es für einige Unternehmen unattraktiv. Aber das heißt nicht, dass es kein Publikum geben würde.
Laura Mayer, Producerin bei ABC News schreibt:
The audience for narrative series is hungry and growing; the business model is there if you package your series to succeed; the production model is there, if you right-size budgets and teams. What’s working today is not limiting your series to one story. It’s ending one story just to begin the next immersive one. This model has sustained many other successful varieties of media.
These strategies work. So long as they’re intentional, and created to reflect where we are today — not seven, five or four years ago — in podcasting.
Die Nachfrage ist da! Aber erfolgreiche Storytelling-Podcast dürfen heute nicht mehr nur auf eine abgeschlossene Geschichte setzen, sondern müssen nach dem Abschluss direkt mit einer neuen, fesselnden Story weitermachen – so wie Serien, die Staffel für Staffel neue Handlungsbögen bieten.
(Ein Gedanke von mir: Dafür müssen die Folgen oder Staffeln nicht alle immer zusammenhängen, man nehme mal das Beispiel »Black Mirror«. Oder fast jeden True Crime-Podcast.)
Ich weiß nicht, wann und ob ich jemals so viele Artikel und Posts zu einem einzigen Podcast-Thema gelesen hab. Alle sind sich einig: Die Zeiten sind hart. Video ist da. Aber Storytelling-Podcasts werden immer bleiben.
Das ist nicht das Ende.
Ein paar erfreuliche Nachrichten in eigener Sache:
Dieser Podcast-Newsletter hat es in meiner Abwesenheit das zweite Mal in DEN Podcast-Newsletter Podnews geschafft. 🤩 Und zwar mit meinem Interview zu TalkNow.
❤️ DANKE an meine Supporter*innen, die diesen Newsletter möglich machen:
Andreas Sator, Daniela Ullrich, Ole & Tore Klein, Carola Hoffmeister, Ellie Media, Reisen Reisen Media, Chris Suu und Jörn Schaar.
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🚫 Zu Wondery: Barrett Media hat Leute aus der Podcast-Branche gefragt, was sie darüber denken. Amplifi Media hat ein FAQ erstellt, um die wichtigsten Fragen zum Wondery-Aus zu beantworten. Und Chris Stone erklärt, was das alles für unsere eigenen Podcast-Strategien bedeutet.
🇩🇪 Acast und WakeWord haben in Deutschland ein neues Podcast-Netzwerk für mehr Reichweite und bessere Monetarisierung gegründet.
🏅 Apple hat die »Best So Far« Podcasts für 2025 und das Time Magazine hat »The 100 Best Podcasts of All Time« gekürt (hier wird erklärt, wie die Auswahl getroffen wurde).
📊 Chris Peterson hat rund 60 Execs von Content- und Tech-Unternehmen weltweit befragt zu Umsatzprognosen, Plattformleistung, der Videostrategie von Spotify, Netflix, Fusionen, Übernahmen und vielem mehr.
✨ Riverside bietet jetzt auch Hosting an.
📊 Edison Research meldet mit »The Podcast Consumer 2025« Rekordzahlen: 55 % der US-Bevölkerung hören monatlich Podcasts, 40 % wöchentlich – und Video-Podcasts gewinnen stark an Bedeutung. Über die Hälfte der Bevölkerung hat schon einen Video-Podcast gesehen, vor allem Jüngere.
🍎 Apple Podcasts bietet »New Subscription Listening Reports« an.
🎥 Die New York Times fragt: »Who Is Watching All These Podcasts?«
💰 Spotify und Acast haben ihre Reports für das zweite Quartal 2025 veröffentlicht.
🖇️ Nielsen und Edison Research bringen Podcast-Daten in Nielsens Media Planning Tool ein, sodass sie erstmals direkt mit TV, Radio und Digital verglichen werden können. Das soll helfen, Podcast-Kampagnen gezielter zu planen und zu optimieren.
📊 Sounds Profitable hat den dritten Teil von »The Advertising Landscape 2025« veröffentlicht, der sich darauf konzentriert, wie Podcast-Hörer*innen im Vergleich zu anderen digitalen und traditionellen Kanälen auf Werbung reagieren.
💰 Magellan AI weist die geschätzten Werbeausgaben jetzt auch außerhalb der USA aus, darunter Deutschland.
🎥 Audioboom verdoppelt die Video-Einnahmen im ersten Halbjahr 2025, weil mehr als 60 % der Creator*innen Video-Podcasts produzieren.
📣 SRF sucht eine*n Channel Manager*in Podcasts & Audio, 70 %, in Zürich.
📣 Elisabeth Krafft sucht Unterstützung im Bereich Social Video Content, freiberuflich.
📣 Acast sucht eine*n Ad Operations Coordinator für Deutschland, remote.
Levi Penell und Fabian Rashagai suchen bei »Musste durch« den Sinn im Wahnsinn und irren gemeinsam mit uns durch das Labyrinth des Lebens.
Erste eigene Küche? Null Ahnung? Kein Problem mit dem Pott-Cast »Was ist mit Essen?« – mit alltagstauglichen Tipps zu den Zutaten, Rezepten und viel Humor.
Bei »So lange ich darf« wird der 15-jährige Jonathan begleitet. Er hat die lebensverkürzende Diagnose: Duchenne-Muskeldystrophie.
Was passiert, wenn man versehentlich ins Mittelalter reist? In »Hiccup. Per Schluckauf durch die Zeit« gehen ÖAW-Forscher*innen dieser Frage nach.
Bei »Ticket to Anywhere« begegnen wir echten Menschen, spüren den Haltestellen-Vibe und lernen, warum Bus, Bahn & Co. so viel mehr sind als reine Fortbewegungsmittel.
Die Trailer der neusten Podcasts als Playlist zum Durchstöbern und Entdecken:
Ihr habt auch einen neuen Podcast? Schreibt an hallo@beifahrersitz.online.
Generell könnt ihr neue und bestehende Podcasts auch kostenlos auf meiner Discovery-Plattform ANSCHNALLEN einreichen:







Liebe Denise, weil das meine große Leidenschaft ist, ein Comment zum Thema "Serie": Es muss natürlich das Thema nicht weitergeführt werden. Es gibt "Reihen" vs. "Serien" - und innerhalb des Genres "Serien" gibt es "Serials" und "Series". "Serial" will von Folge 1 bis zur letzten in chronologischer Reihenfolge erlebt werden. "Series" reiht Episoden aneinander, es ist egal, wenn man zwischendurch was auslässt. Sehr viele Podcasts sind "Series" in diesem Sinne.